Kuscheltiere – Ausstellungstext

Stefan Auf der Maur ist 1979 in Luzern geboren und auch aufgewachsen. 2004 erlangte er das Diplom zum wissenschaftlichen Illustrator an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. Seit er sich erinnern kann, folgt er dem inneren Antrieb zu zeichnen. Vollgekritzelte Schulhefte und Zeichenblätter zeugen von einer wie angeboren anmutenden Eigenschaft, für das Zeichnen und die Malerei bestimmt zu sein.

Der Künstler erforscht und entlockt mit seinem präzis geführten Pinselstrich Geschichten und Erlebnisse der Kuscheltiere und lässt beim Betrachter eigene Kindheitserinnerungen wieder aufleben. Bereits während der Ausbildungszeit nahm er am Comicfestival Fumetto in Luzern teil, wo er 2001 den Publikumspreis erhielt. 2008 wurden seine Arbeiten für die Kunstregionale 2008 im Kunsthaus Baselland selektiert.

Begriffe wie niedlich, süss, kuschelig sind die ersten Reaktionen auf Stefan Auf der Maurs Bilder. Als weitere Reaktionen gesellen sich Kindheitserinnerungen hinzu, denn wer hatte nicht ein Plüsch-, Pelz- oder Gummitier bei sich im Bett, um sorglos und unschuldig in den tiefen Schlaf und in damit verbundene Träume zu fallen. Doch nur glücklich waren diese Gefährten nicht, sie begleiteten uns auch in unserem Leid, bei Krankheiten und Weltuntergängen. Und spätestens nach der Pubertät landeten sie in einem Sack oder in einer Kiste auf dem Dachboden oder aber in der Mülltonne und waren nicht nur aus den Augen, sondern eben auch aus dem Sinn.

Stefan Auf der Maur sorgt für ihre Rehabilitierung, holt sie von den Dachböden oder von der Strasse, wo sie meist im Sperrgut landen und malt von ihnen einzelne Portraits oder stellt sie zu Gruppen zusammen und hält sie in Stilleben fest. Seine Ausbildung zum wissenschaftlichen Zeichner unterstützt ihn dabei, denn er zeigt die Tiere und Figuren schonungslos, in der ihnen eigenen Individualität und Physiognomik, die oftmals wenig mit der von den Betrachtern suggerierten Niedlichkeit zu tun hat.
Dass seine Bilder mehr sind als nur betörend, zeigt Stefan Auf der Maur durch seinen malerischen Duktus. Einige Portraits sind in Primamalerei ausgeführt, so dass auf dem Malgrund einzelne Pinselstriche, Mischungen und Konturen nach wie vor sichtbar sind. Andere Bilder hat er hingegen systematisch aufgebaut, so wie dies in der Akademiemalerei bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts üblich war. Er hat den Malgrund grundiert, Farbschichten abgeschliffen und übermalt, lasiert und überarbeitet und schliesslich mit einer Firnis überzogen, damit sie die bekannte Wirkung der Tiefe und Konzentration erhalten.

Und dann sind nicht nur die Tiere als Portraits oder als Stilleben zu beachten, ebenso wichtig sind die Bildvorder- und Hintergründe, die Werke von Cy Twombly oder an die Landschaften von Courbet erinnern und in tonigen Farben komponiert wurden. Stefan Auf der Maur bewegt sich damit in einem Zwischenbereich, denn seine Bilder sind nicht vollkommen gegenständlich oder abstrakt. Sie haben beide Komponenten in sich, genauso wie auch verschiedene Aussagen in die Bilder eingeschrieben sind.
Seine Kunst hat keinen Suggestionscharakter, die den Blick der Betrachter manipulieren will. Indem er den dargestellten Wesen aber die volle Aufmerksamkeit schenkt und sie vor allem als individuelle Persönlichkeiten behandelt, ernst nimmt und darstellt, schafft er es die Gefühlsebene anzusprechen und jeden Betrachter auf seine individuelle Art zu berühren.

Simon Baur, Basel
Kunsthistoriker

2009, © Galerie HILT